Es ist 9:31 Uhr am Donnerstagmorgen. Ein normaler Arbeitstag. Aber ich sitze zum ersten Mal seit fünf Jahren nicht am Schreibtisch im Büro. Sondern am Schreibtisch in meinem eigenen Arbeitszimmer. Zuhause.

Ich habe meinen Job sehr gerne. Aber ich bin einfach kein Mensch, der für die Arbeit lebt. Ich gehe morgens gerne ins Büro, aber noch lieber komme ich nach Feierabend nach Hause. Ich lebe nicht für die Arbeit. Das habe ich noch nie. Das fände ich auch ziemlich traurig. Und trotzdem habe ich die letzten Jahre mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro verbracht. Wenn man die Zeit abzieht, die man schläft, bleiben nicht mehr viele Stunden außerhalb der Arbeit übrig. Macht eigentlich keinen Sinn. Und ist trotzdem in der heutigen Gesellschaft ganz normal.

Auf der Arbeit erwartet man, dass ich für meinen Job „brenne“. Dass ich bei jeder zusätzlichen Aufgabe schreie: „Ja, hier! Ich mache es!“ Dabei ist mir längst alles über den Kopf gewachsen. Ich war froh, wenn ich abends einschlafen konnte. War froh, wenn ich zuhause auf der Couch nicht plötzlich Herzklopfen bekam. War froh, wenn meine To-Do-Liste mal weniger als zehn unterschiedliche Punkte beinhaltete, die alle seit Wochen darauf warteten, abgehakt zu werden. Gebrannt habe ich noch nie. Zumindest nicht für einen Job. Ich mache ihn gerne, aber es gibt wichtigere Dinge, für die es sich zu brennen lohnt. Menschen. Abenteuer. Das gute Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein, nichts im Leben zu bereuen, sich seine eigenen Träume zu erfüllen und nicht die der anderen.

Jetzt sitze ich hier. Die Wohnung ist still. Ich habe auf eine Teilzeitstelle reduziert. Auch das ist glücklicherweise Teil der heutigen Gesellschaft. Mittlerweile hat fast jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf. Seit dieser Woche gehe ich nur noch drei Tage die Woche ins Büro. Der Rest ist Zeit für mich. Ich werde eines meiner Bücher zuende schreiben, die teilweise seit 15 Jahren in meiner digitalen Schublade liegen. Vielleicht werde ich mir wieder mehr Zeit für den Blog nehmen. Und mir irgendwann als Freelancer etwas dazuverdienen. So genau weiß ich das alles noch nicht. Aber es fühlt sich schon jetzt richtig an. Als seien die Steine endlich in die richtige Position gefallen.

Pullover: The Odder Side / Top: Sheinside / Jeans: Takko / Tasche: Flohmarkt / Schuhe: Donna Piu

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11 comments

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Das klingt alles ganz toll, ich wünsche dir eine wunderbare Zeit und freue mich mit dir!

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Danke, liebe Sandy!

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Damit hast du definitiv den richtigen Schritt gewagt. Schön, dass du dazu einen neuen Beitrag online gestellt hast, ich hoffe es kommen bald wieder viele mehr.

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Liebe Ulrike, ja, in letzter Zeit kam ich nicht zum posten, aber ich hoffe auch, dass sich das wieder ändert :)

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Hey, ich finde es toll, dass du deinen Weg so geht und wenn es sich richtig anfühlt ist alles gut so :).
Liebe Grüße!

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Danke, liebe Jenny, die Entscheidung fühlt sich definitiv richtig an.

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Ein toller Schritt, den ich mir finanziell wohl nicht wirklich leisten könnte bzw. aktuell nicht leisten will. Ich würde einfach nicht auf mein volles Gehalt verzichten wollen. Das würde für mich einiges schwieriger/unangenehmer machen.

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Das muss man natürlich abwägen. Mir ist die Zeit, die ich nun für mich gewinne, wertvoller als das Geld. Aber natürlich muss es immer noch für ein Dach über dem Kopf und ein schönes Leben reichen, sonst machen einem die finanziellen Nöte das Leben nicht unbedingt leichter, da hast du recht.

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Great outfit … and lovely booties ;)

https://4highheelsfans.wordpress.com/2017/05/04/black-and-white/

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Mega! Das bewundere ich sehr und du hast vollkommen recht: Das eigene Befinden und die Freiheiten sollten einem immer mehr Wert sein als das Geld. Echt richtig toll!

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Danke liebe Moni für deinen Kommentar!

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