Früher habe ich Beauty-Produkte danach bewertet, welche Wirkung sie auf meine Haut, Haare, Nägel haben, ob sie schön verpackt und nicht zu teuer sind. Mittlerweile lege ich sehr viel Wert auf die Inhaltsstoffe. Zum einen finde ich es unglaublich interessant zu erfahren, woher ein Produkt seine reinigende, pflegende, straffende oder reizlindernde Wirkung nimmt, welcher Stoff dafür verantwortlich ist, dass es eine schaumige, cremige oder flüssige Konsistenz hat, und welcher Stoff für den blumigen Duft oder die knallige Farbe sorgt. Zum anderen finde ich es unverantwortlich, ein Produkt vorzustellen und möglicherweise zu empfehlen, ohne ein Wort über die Inhaltsstoffe zu verlieren. Wir sollten nicht nur auf Werbeslogans achten, sondern selbst ganz bewusst die Inhaltsstoffe checken. Damit ihr nie wieder ein schlechtes Produkt kauft, habe ich acht wichtige Tipps für euch zusammengestellt.

 

1. Inhaltsstoffe sind kein Geheimnis. Auf jedem Produkt oder auf seiner Verpackung müssen die Inhaltsstoffe abgedruckt sein. Das schreibt die „Verordnung über kosmetische Mittel“ vor. Habt ihr eine Verpackung bereits weggeworfen, könnt ihr die Inhaltsstoffe meist im entsprechenden Onlineshopping nachlesen.

 

2. Schaut euch vor allem die ersten paar Inhaltsstoffe an. Manche Produkte bestehen aus mehr als 20 Zutaten. Habt ihr nicht die Zeit, euch jede genau anzusehen, achtet zumindest auf die ersten paar Stoffe in der Liste. Denn die Reihenfolge der Inhaltsstoffe spiegelt ihre Konzentration wider (mit Ausnahme von sehr gering dosierten Stoffen).

 

3. Viele Produkte sind ähnlich aufgebaut. Als ich angefangen habe, mich näher mit Inhaltsstoffen zu beschäftigen, las sich die Info auf der Packung zunächst wie Chinesisch für mich. Doch Inhaltsstoffe werden nicht für jedes Produkt neu erfunden, sie tauchen immer wieder auf. So enthalten viele Cremes an erster Stelle Wasser und Glycerin. Und die Bezeichnung „CI“ (Colour-Index) steht immer für einen chemischen Farbstoff. Ist beispielsweise CI 14700 enthalten, ist das Produkt höchstwahrscheinlich rot. Mit der Zeit werden euch viele Inhaltsstoffe bekannt vorkommen.

 

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4. Nicht jeder Stoff, der seltsam klingt, ist schlecht. Je komplizierter der Name, desto häufiger steckt  ein bedenklicher Stoff dahinter? Das trifft leider nicht immer zu. Ich habe schon sehr oft Stoffe nachgeschlagen, die für mich „eindeutig böse klangen“ und im Endeffekt harmlos waren. So ist beispielsweise Sodium Lauroamphoacetate trotz seines sperrigen Namens ein besonders mildes Reinigungsmittel, das sich auch positiv auf andere Inhaltsstoffe auswirken kann.

 

5. Nutzt Codecheck.info oder eine spezielle App. Anfangs kannte ich die Seite Codecheck.info nicht. Dann war es manchmal etwas mühsam, bestimmte Inhaltsstoffe nachzuschlagen und seriöse Quellen zu finden. Mittlerweile benutze ich Codecheck immer öfter. Dort gebt ihr den Namen eines Stoffes ein und findet in 90 Prozent aller Fälle eine Bewertung und eine mal mehr, mal weniger ausführliche Beschreibung. Codecheck greift dabei auf Informationen von Öko-Test, dem deutschen Bund für Umwelt und Naturschutz, Greenpeace und anderen anerkannten Organisationen zurück. Besonders praktisch: Inhaltsstoffe werden in Kategorien eingeteilt und farblich gekennzeichnet: „empfehlenswert“, „eingeschränkt empfehlenswert“, „weniger empfehlenswert“ und „nicht empfehlenswert“. So seht ihr auf den ersten Blick, ob ein Stoff bedenklich ist oder nicht. Natürlich hat man im Laden keine Lust, jeden Inhaltsstoff einzeln zu googlen oder bei Codecheck.info einzugeben. Dafür gibt es nützliche Apps, die beispielsweise den Barcode scannen und die enthaltenen Produkte je nach Bewertung schwarz, grün oder rot markieren.

 

6. Achtet auf bestimmte Logos: Mir wurde schon oft erzählt, wie toll, natürlich und biologisch ein Produkt sei – und erst auf mehrfache Nachfrage kam heraus, dass es sich doch nicht um reine Naturkosmetik handelt, sondern höchstens um „naturnahe Kosmetik“. Ich persönlich bestehe nicht darauf, dass ein Produkt ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe enthalten muss. Denn nicht jeder chemisch produzierte Stoff ich automatisch schlecht. Käufer sollten trotzdem nicht hinters Licht geführt werden mit Sprüchen wie „Eigentlich handelt es sich bei dem Produkt um Naturkosmetik, aber wir haben bewusst auf ein Bio-Zertifikat verzichtet. Denn das schreckt viele Kunden ab, weil sie dann befürchten, das Produkt ist teurer als andere.“ So einen Spruch habe ich tatsächlich schon mehrmals gehört – und als ich dann zuhause die Inhaltsstoffe gecheckt habe, kamen mir einige chemische Stoffe unter, die eine Bio-Zertifizierung niemals erlaubt hätten … Wenn ihr wirklich nur reine Naturkosmetik verwenden wollt, solltet ihr euch also nicht auf irgendwelche Aussagen verlassen, sondern unbedingt nach bestimmten Siegeln Ausschau halten: zum Beispiel nach dem BDIH-Siegel oder dem NaTrue-Abzeichen.

 

7. Bedenkliche Stoffe sind nicht in jedem Fall schlecht: Ein Stoff, der in Verdacht steht, Krebs zu erregen, muss nicht per se gemieden werden. Bei vielen Stoffen macht es einen großen Unterschied, ob sie beispielsweise in Nahrungsmitteln verarbeitet wurden oder in einem kosmetischen Produkt, das nur äußerlich angewendet wird. In einem Lippenstift, von dem wir aus Versehen kleinere Mengen schlucken könnten, ist ein bedenklicher Stoff natürlich gefährlicher als beispielsweise in einem Shampoo.

 

8. Wie wird ein Stoff hergestellt? Nur weil ein Inhaltsstoff in der Natur vorkommt und somit in reiner Naturkosmetik verwendet werden darf, ist er noch lange nicht empfehlenswert. Ein gutes Beispiel ist Palmöl. Es ist für den Körper absolut unschädlich. Doch in vielen Fällen zerstört die Gewinnung von Palmöl den Lebensraum von Orang-Utans und anderen Urwaldtieren. Es lohnt sich also, auch hier kritisch nachzuforschen. Wenn Unternehmen ihr Palmöl aus nachhaltigen Quellen beziehen, weisen sie meist auf ihrer Webseite darauf hin.

 

Mein Schlusswort: Es gibt viele Beauty- und Test-Blogs, die entweder gar nicht auf die Inhaltsstoffe eingehen oder zwar die Inhaltsliste abbilden, diese allerdings vollkommen unkommentiert lassen. Ein Lippenstift, der potentiell krebserregende Stoffe enthält, schneidet dann im Gesamturteil super ab, weil er eine tolle, knallige Farbe hat und mehrere Stunden hält. Das ist meiner Meinung nach nur die halbe Wahrheit. Und unterstützt die Verwendung solcher bedenklicher Inhaltsstoffe. Denn wenn niemand auf die Inhaltsstoffe achtet, wieso sollte ein Unternehmen dann hochwertigere Inhaltsstoffe verwenden, die im Zweifelsfall teurer sind und den Preis nach oben treiben?

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6 comments

Antworten

Ein sehr toller Bericht. Habe ich die Inhaltsstoffe damals vernachlässigt, achte ich nun mehr und mehr darauf. Codecheck nutze ich dafür sehr gerne, weil es unkompliziert ist. Nächstes Mal sollte ich das nur machen, bevor ich mir etwas bestelle und nicht erst nachher.

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Ein sehr spannender Bericht, ich wäre definitiv öfters noch mehr versuchen, auf die Inhaltsstoffe zu achten!

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sehr sehr informativ, danke!
liebe grüße!

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Super toller Bericht! Ohne Codecheck gehe ich schon gar nicht mehr einkaufen :)
Liebe Grüße, Fiona THEDASHINGRIDER.com

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Bisher war das eigentlich gar kein Thema für mich, aber man sollte sich dafür wirklich etwas Zeit nehmen. Danke für die tollen Tipps!

Liebe Grüße
Deine Romi
von http://www.romistyle.de

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Das ist ein wirklich interessanter Beitrag. Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch nie so viele Gedanken gemacht, aber jetzt wo du das Thema ansprichst schaue ich wirklich mal darauf was alles in meiner Shopping-Tüte demnächst landet :)

Liebe Grüße :)
http://www.measlychocolate.de

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