Zum Abitur in acht statt in neun Jahren, höchstens einen Monat Pause machen und dann ab zum Studium, trotz Auslands- und Praxissemester in der Regelstudienzeit abschließen – oder am besten schon ein Semester früher. Und warum nicht gleich zwei Studiengänge auf einmal absolvieren? Dann die Vorstellungsgespräche für den ersten Job führen und gleichzeitig Bewerbungen an Unis für den Master schicken. Stichwort „Berufsbegleitendes Studium“. Geht schon irgendwie. Vorlesungen kann man ja auch abends und am Wochenende belegen – wer braucht schon Freizeit? Gegen Stress, der auf den Magen schlägt, gibt es ja Tabletten. Und am Ende hat man einen Bachelor in zwei Hauptfächern, einen Master, einen festen Job mit einer 40-Stunden-Woche – und ist erst Mitte zwanzig. Toll. Applaus. Aus Super-Schülern werden Super-Studenten, Super-Arbeiter und Super-Eltern. Die irgendwann super-fix-und-fertig sind.

 

Ich kenne mittlerweile genug Leute, auf die diese Beschreibung mehr oder weniger zutrifft. Mein Lebenslauf ist das nicht. Ich habe nach dem Abi erst mal ein Jahr lang unterschiedliche Dinge ausprobiert, war ein paar Monate in England als Kellnerin und Zimmermädchen, zwei Monate als Praktikantin bei einer Tageszeitung und hatte viel freie Zeit. Im darauffolgenden Herbst fing das nicht allzu stressige Germanistik-Studium an. Ab dem dritten Semester gab es keine Vorlesung vor 12 Uhr, Mittwochs fing das Wochenende an. Bei all der Freizeit war kein Platz für ein zweites Studium. Schließlich musste man auch mal feiern, in der Sonne liegen, Kaffee trinken und Urlaub machen. Das beste an meinem Studium war nicht die Zeit im Hörsaal, sondern die in der Cafeteria, im Wohnheim und im Park. Und ich würde mal behaupten, die Erinnerungen daran machen mich heute glücklicher als ein zweiter Bachelor-Titel.

 

Heute fragt mich niemand mehr nach meiner Bachelor-Note – geschweige denn nach meinem Abi-Schnitt. Es will niemand wissen, ob ich mein Studium in fünf, sechs, sieben oder acht Semestern abgeschlossen habe. Und ob ich mit 24 oder mit 28 Jahren angefangen habe zu arbeiten. Manche Arbeitgeber interessierte nicht mal, was ich überhaupt studiert habe. Es ist sicher nicht falsch, intensiv zu studieren, sich bei Klausuren Mühe zu geben und nach dem Optimum zu streben. Auch ich bin ehrgeizig und habe mich über meinen Einser-Abschluss gefreut. Doch man sollte das alles nicht nur für irgendeine Note auf irgendeinem Blatt Papier tun. Nicht nur dafür, dass man besonders jung in den Beruf starten kann. Arbeiten wird man noch lange genug. Daher sollten wir auch lange genug das Leben genießen – am besten nicht im Galopp, sondern lieber im Spaziergang.

 

Was denkt ihr über das Thema? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

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Bluse: Takko

Shorts: Takko

Tasche: Barbara B.

Schuhe: Kiomi

Armkette silber: Madeleine Issing

Armband mit Steinen: Magnetix

Armband aus Stoff: Ika Babel

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18 comments

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Ohhh die Bluse sieht toll aus! Da muss ich echt mal bei Takko vorbeischauen :-*

viele liebe Grüße
Melanie / http://www.goldzeitblog.blogspot.de

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Ein sehr hübsches Outfit und guter Beitrag! Wünsche dir einen schönen Sonntag.

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Was für ein toller Text – das unterschreibe ich sofort ganz genauso. Toll siehst du aus :)
Liebe Grüße, Fiona THEDASHINGRIDER.com

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ich gebe dir absolut recht, in allen punkten.
ich mag den pullover super gern!
liebe sonntagsgrüße!

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Der entspannte Weg ist sicher der schönere. Ich hab mittlerweile genug von Doppelbelastung neben dem Beruf. Heute weiß ich nicht mehr wie ich den Bachelor mal eben so nebenbei gemacht habe…

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Ich gebe dir da absolut recht, wobei ich mich schuldig bekennen muss und alles total durchgepowert hab. Ich hoffe ich finde im Nachhinein nochmal die Zeit für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen und einfach die Seele baumeln zu lassen :)

xo, Jo von http://viejola.de/

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Eine gute Einstellung! Das Leben ist eben nicht nur lernen, sondern (glücklicherweise) auch die schönen Momente des Nichtstuns. Man muss nur die Balance finden. :)
Liebe Grüße
S.
http://cappuccinocouture.blogspot.de/

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oh ich liebe deine Bluse, süßer Look
http://carrieslifestyle.com

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So und dafür bekommst du jetzt von mir einen Applaus, ich denke da ganz genau wie du und mal abgesehen von den wunderschönen Bilder und dem tollen Look, gefallen mir vor allem deine Worte. Ich finde es schön, dass du das so ehrlich aussprichst, weil es bestimmt viele gibt die da ganz anders denken, aber ich finde eben auch, das Leben ist da um gelebt zu werden. Wozu Erfolg und Anerkennung und hohen Gehältern nachhetzen, wenn die Gesundheit und die Lebensfreude auf der Strecke bleiben. Du machst das genau richtig, also standing ovations von mir. Ich schick dir gaaaanz entspannte und sonnige Grüße aus Graz, x S.Mirli (http://www.mirlime.com)

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Ich kenne das zu gut.. habe aber nach meinem Abi erstmal eine Ausbildung gemacht, weil ich erstmal Geld verdienen wollte und nicht so richtig wusste, was ich machen will. Ende Juli diesen Jahres bin ich fertig und werde dann erstmal ein Jahr nach England gehen, um dort zu jobben. Ich muss nicht mein Leben lang hart durchziehen mit lernen, arbeiten und Stress, ich möchte auch was erleben und mal mein Leben genießen. Auch wenn ich in England auch arbeiten werde, so ist es doch was anderes als hier.
<3 michelle // covered in copper

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Dein Text ist wirklich klasse geworden und ich finde es wirklich beeindruckend, was du schon alles für tolle Sachen erlebt hast. Es gibt doch immer diese bestimmten musste wo alle Menschen reinpassen sollen, aber es ist doch viel interessanter auch mal aus der Reihe zu tanzen und das zu machen, was man für richtig hält :)

Liebe Grüße :)
Measlychocolate by Patty

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wow der beitrag ist einfach toll, ich liebe deine schreibweise und es ist so beeindruckend zu lesen was du alles schon erlebt hast. top.

btw. toller look liebes :)

alles Liebe deine AMELY ROSE

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Beautiful post! x

Eatlovemerry

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Toller Look! Die Tasche ist ein Traum.
Christina ♥ https://caliope-couture.com

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Sehr schöner Look, gefällt mir richtig gut!

Liebe Grüße
Jimena von littlethingcalledlove.de

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Wow, so ein schöner Beitrag, der auch zum Nachdenken anregt! Ich selbst gehöre eher zur Sorte: Alles muss 1000% gut sein aber häufig geht mir das echt an die Substanz und ich sollte mich vielleicht wirklich entschleunigen:) Liebe Grüße, Leonie von http://eyeofthelion.de

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Ein sehr guter Beitrag. Ich bin da ganz deiner Meinung. Manchmal muss man sich auch mal zurücklehnen und Perfektion vergessen. Ehrgeiz ist gut, aber übertriebener Ehrgeiz kann nur unglücklich machen.

Liebe Grüße, Bella
https://kessebolleblog.blogspot.de

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Amen. Deine Worte haben bei mir definitiv etwas ausgelöst. Denn in der Schule habe ich nicht viel getan und im Studium muss ich ganz ganz ganz viel ackern. Ich habe zum Glück auch ein Jahr lang Pause gemacht zwischen Abi und Studium und mich an einigem ausprobiert. Aber ich habe schon oft gedacht dass ich nach dem Studium wohl erstmal Pause machen muss, so sehr nimmt mich das ganze manchmal mit. Ich werde mir also deine Worte zu Herzen nehmen und mir mehr Freizeit nehmen!

Liebste Grüße,
Sophie || http://basicapparel.de

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