Smart Casual, Black Tie, Semi-formal, Cocktail … Auf den Einladungskarten von Hochzeiten, Abendveranstaltungen oder Kongressen habt ihr sicher alle schon mal diese kleinen Wörter gelesen, die den großen Unterschied ausmachen zwischen „Sei einfach du selbst“ und „Bitte in erwartungsgemäßer Verkleidung kommen“.

Dresscodes sind in vielen Lebenslagen fast schon selbstverständlich: Kurz vor der Party noch schnell ein Anruf bei der besten Freundin, um sicherzugehen, dass man nicht „overdressed“ oder „underdressed“ erscheint. Vor einer Veranstaltung der Blick auf ein paar alte Fotos, um herauszufinden, was die Gäste dort üblicherweise tragen – schließlich will man nicht unangenehm auffallen.

Ich wette, die Hälfte aller berufstätigen Menschen zieht morgens ein Kleidungsstück aus dem Schrank, das sie nicht anziehen würden, wenn sie nicht das Gefühl hätten, es würde von ihnen erwartet. Und während man dann Kleidung trägt, die man unter anderen Umständen nicht getragen hätte, trifft man Menschen, die ebenfalls Kleidung tragen, die sie sonst nicht getragen hätten – und weil niemand offen darüber spricht und keiner aus der Reihe tanzen will, wirken Dresscodes vollkommen normal und akzeptiert.

Kleider machen längst keine Leute

Aber was für einen Sinn macht eine auferzwungene Kleiderordnung eigentlich? Ist es wirklich notwendig, dadurch ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen? Ginge das nicht auch durch nette, ungezwungene Gespräche? Bin ich ein schlechterer Mensch, weniger intelligent oder attraktiv, wenn ich statt der polierten Lackschuhe meine bequemen Turnschuhe trage? Hat der Mann im teuren Anzug eine interessantere Lebensgeschichte als der Mann, der die Kaffeemaschine bedient?

Wieso sollten wir nicht immer genau das tragen, worauf wir Lust haben? Wieso sollten wir uns verkleiden, wenn wir uns gar nicht danach fühlen? Sicher profitieren viele Menschen von einem bestimmten Look, wirken kompetenter, seriöser, vertrauenswürdiger – und machen dann leichter gute Geschäfte. Dann dürfen sie von mir aus gerne im Anzug durch die Gegend laufen – aber sie sollten sich nicht dazu gezwungen fühlen.

Wenn ich lese, dass Männer niemals kurze Socken zum Anzug anziehen sollten oder auf keinen Fall Schuhe in zu hellen Brauntönen, kann ich nur den Kopf schütteln. Sollten wir auf Einladungskarten anstelle von Dresscodes nicht lieber Verhaltenscodes abdrucken? „Seid alle nett zueinander“ statt „Tragt Anzug und Krawatte“. Würden wir davon nicht weitaus mehr profitieren?

Wie steht ihr zu vorgegebenen Dresscodes? Findet ihr sie hilfreich, überflüssig oder nervig? Verratet es mir in den Kommentaren!

Cardigan: Hallhuber / Pullover: And other stories / Kleid: Gerry Weber / Schal und Tasche: Barbara B. / Schuhe: Peperosa / Strumpfhose: Forever21 / Armband: Hallhuber

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12 comments

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Ich stehe zu dem Thema Dresscode so, dass man ihn ja für sich selbst interpretieren und umsetzten kann – ohne sich zu verkleiden. Das Thema Dresscode ist bei mir schon lange nicht mir aktuell und finde, dass es über die Jahre hinweg doch eher lockerer geworden ist.

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Liebe Saskia, ich glaube, in vielen Bereichen ist es lockerer geworden, umso überraschter bin ich in Situationen, die mir wieder bewusst machen, dass es schon noch manchmal um die „richtige“ und „falsche“ Kleidung geht. Zuletzt wurde mir vor einem Kongress extra gesagt, dass ich nicht unbedingt im Kostüm kommen müsse. Dabei wäre ich ohnehin nicht auf die Idee gekommen. Dabei entstand die Idee zu diesem Beitrag.

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Leider ist unsere Gesellschaft oberflächlich und wir werden alle zuerst nach unserem Aussehen und unserer Kleidung beurteilt. In meinem letzten Job war das ganz deutlich zu spüren. Allerdings ist leider immer noch so, dass „Kleider Leute machen“. Es ist ja bekanntlich auch der erste Eindruck der zählt. Wir alle können nur dagegen steuern, wenn jeder einzelne von uns seine Einstellung überdenkt. Erst dann kann sich was ändern. :-*

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Sicher, gegen die Macht des ersten Eindrucks sind wir irgendwie machtlos, auch wenn wir uns nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen wollen. Das ist wohl einfach menschlich. Trotzdem hoffe ich, dass die Zwänge vor allem wie bei dir im Job langsam abnehmen, man kann schließlich auch ohne Anzug oder Kostüm ansprechend aussehen ;)

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Hey, ja die Zwänge sind schon unschön, das gebe ich zu. Aber ich denke, aus der Nummer kommen wir nicht raus.
Liebe Grüße!

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Oh je, das klingt ja ganz schön pessimistisch, liebe Jenny.. Ich denke, Dresscodes sind Phänomene der Masse – und je weniger Masse sich danach richtet, desto mehr verlieren Dresscodes an Bedeutung.

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Recht hast du, vor allem im Büro-Alltag scheint der „Dresscode“ sich auch unterbewusst durchgesetzt zu haben. Ich stehe übrigens total auf deine Tasche – die ist ja mal mega! ;-)

Liebe Grüße
Clara

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Danke dir, Clara! Die Tasche ist selbstgemacht :) Hier habe ich erklärt, wie’s ganz einfach geht: http://www.miss-annie.de/die-schallplatten-tasche/

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awww such a charming and nice place where u took the shots, love it :D
and you’re looking lovely, the bag is too cute
http://diannetho.es/castillo-drachenburg/

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Thank you, we took the pictures at Starnberger See near Munich. The bag is made of two discs :D

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Toller Blogpost! Ich kann Dir wirklich voll und ganz zustimmen. Ich finde es immer lästig, wenn ich stundenlang überlegen muss, welches Outfit zu welchem Anlass passt und am Ende ziehe ich etwas an, in dem ich mich nicht wirklich wohl fühle. Deine Idee mit dem Verhaltenskodex wär wirklich mal sehr originell und angebracht!

Liebste Grüße
AnnaLucia von http://annalucia.de

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Danke für dein positives Feedback, liebe Anna Lucia! Freut mich, dass ich damit bei dir einen Nerv getroffen habe.

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